Bericht vom 14. Arbeitskreis Kommunale Baumpflege Rhein-Main

Am 7. November 2013 fand in der Hochschulstadt Geisenheim der 14. Arbeitskreis Kommunale Baumpflege Rhein-Main statt. Der AK Kommunale Baumpflege Rhein-Main ist eine Kommunikationsplattform für kommunale Bedienstete im Großraum Rhein-Main, die in ihrer Stadt das Baummanagement organisieren. Mit fast 60 Teilnehmern war das Treffen, wie bereits in den Vorjahren, wieder ausgebucht. Durchs Programm führte öbvSV Matthias Zorn, Usingen.
Der Präsident der Hochschule Geisenheim, Professor Hans Reiner Schultz, begrüßte die Teilnehmer am Campus Geisenheim und stellte den noch relativ neuen Zuschnitt der Universität vor. Die Hochschule Geisenheim ist eine staatliche Hochschule des Landes Hessen und wurde zum 1. Januar 2013 als Hochschule neuen Typs, der eine Aufhebung der bisherigen strikten Trennung von Hoch- und Fachhochschulen bedeutet, gegründet. Vorgängereinrichtungen waren der Fachbereich Geisenheim der Hochschule RheinMain und die Forschungsanstalt Geisenheim, die zur neuen Hochschule Geisenheim zusammengefasst wurden. Diese hat aktuell etwa 1200 Studierende  in fünf Bachelor- und sechs Masterstudiengängen. Neben Weinbau und Getränketechnologie können hier auch Gartenbau und Landschaftsarchitektur studiert werden.

Maltaflor
Zunächst referierte Dr. agr. Mario Protzmann über „Keimkraft für den Boden“. Er zeigte auf, dass den heute oft verwendeten Substraten zur Baumpflanzung wichtige Nährstoffe fehlen und stellte die Vorteile einer pflanzlichen Düngung mit Malzkeimen in den Vordergrund seines Vortrages. Anhand anschaulicher Beispiele ungedüngter und gedüngter Pflanzen verdeutlichte er die Vorteile. „Insbesondere in Kombination mit Mykorrhiza ist eine weitere Steigerung der Vitalität und Überlebensfähigkeit von Pflanzen möglich“, so Protzmann.

Westphal

Anschließend berichtete Heinz-Peter Westphal , Stadt Frankfurt, über das Baummanagement der Stadt Frankfurt.  Die Stadt Frankfurt mit knapp 700.000 Einwohnern erstreckt sich über eine Fläche von 248 qkm und besitzt 1.339 ha Grünflächen, die vom Grünflächenamt verwaltet werden. Dort arbeiten aktuell  689 Mitarbeiter, davon 209 im administrativen und 480 im manuellen Bereich. Die Ersterfassung des Baumbestandes ist noch nicht vollumfänglich abgeschlossen und dennoch befinden sich bereits ca. 220.000 Bäume im Baumkataster der Stadt.  Das elektronische Baumkataster wurde 2006 eingeführt und seit 2011 gibt es eine Dienstanweisung zur Baumkontrolle.

Die Hauptbaumarten in Frankfurt sind Ahorn mit ca. 26% des kartierten Baumbestandes, gefolgt von Eiche (11%), Hainbuche (10%) und (Linde 7%).

Als Problembaum hat sich in Frankfurt in den letzten Jahren die Robinie herauskristallisiert. Mit einer Bearbeitungsquote von ca. 22% pro Jahr liegt sie deutlich über anderen Baumarten. Die Vergleichskennzahl anderer Baumarten liegt ungefähr bei der Hälfte.

Große Beachtung wird in Frankfurt dem durchwurzelbaren Raum bei Neuanpflanzungen beigemessen. „Eine Baumgrube mit 12 cbm Wurzelraum ist bei uns Standard“ so Westphal.  Je nach Möglichkeit und Standort soll dieser Wert aber in Zukunft noch weiter steigen. Dieser Mindestwert ist, wenn auch in den FLL-Richtlinien für Baumpflanzungen gefordert,  in vielen Kommunen leider noch Zukunftsmusik und ist deshalb vorbildlich für viele Kommunen. Auch die Baumartenwahl wird in Frankfurt zukünftig eine noch stärkere Bedeutung erhalten. Hier gilt es  insbesondere neue Stressspezialisten zu testen und über die Erfahrungswerte eine „Frankfurter Baumliste“ zu entwickeln.

Der Vortrag zeigte deutlich die Bemühungen Frankfurts den vorhandenen Baumbestand zu erhalten und das Grün in der Stadt mit einem  ambitionierten Team weiter zu entwickeln. Diese Bemühungen hat auch jüngst der Europäische Baumpflegerat ECLA anerkannt und Frankfurt zur „Europäischen Stadt der Bäume 2014“ gekürt.

Schnabel

Danach erläuterte Joachim Schnabel, Sachverständiger für Pflanzenschutz, die Neuregelung der Pflanzenschutzsachkunde nach dem Pflanzenschutzgesetz.  Diese ist am 06.07.2013 in Kraft getreten. Als Nachweis zur Erlaubnis für die  Anwendung oder den Verkauf von Pflanzenschutzmitteln, die Anleitung von nicht Sachkundigen oder die Beratung über den Pflanzenschutz  gilt seit dem ein neuer Sachkundenachweis im Scheckkartenformat. Schnabel beleuchtete dabei die Inhalte und die Besonderheiten bei der Antragstellung.

Kretschmar

Nach der Mittagspause berichtete Susanne Kretschmar, TU Dresden – Professur für Forstbotanik, von Forschungsergebnissen zur Fragestellung in wie weit Funkmasten Strahlungsschäden an Bäumen verursachen können. Im Rahmen einer Forschungsarbeit wurden hierzu fünf Standorte mit homogenen Waldflächen fünf Jahre lang untersucht. Am Ende des Projektes konnte kein Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein von Funkmasten und eventueller Baumschäden in den angrenzenden Waldbeständen nachgewiesen werden.

Pietzarka

Zum Ende des Vortragsreigens stellte Dr. Ulrich Pietzarka vom Forstbotanischen Garten Tharandt denselbigen vor und legte den Schwerpunkt seines reichbebilderten Vortrags auf die jüngste Erweiterungsfläche „Nordamerika in Tharandt“.

Gegründet wurde der Forstbotanische Garten 1811 auf zunächst 1,7 Hektar Fläche. Mit teilweise 200jährigen Bäumen zählt der Garten zu den ältesten Arboreten der Welt. Die heutige Gesamtfläche beträgt, nach der jüngsten Erweiterung 2001 fast 34 Hektar und beherbergt heute stolze 3.300 Taxa mit beispielsweise über 100 Quercus-, 86 Sorbus- und über 50 Pinus-Arten.

Im neuesten 15, 4 ha großen Parkteil „Nordamerika“ wurden ab 2003 auf einer ehemaligen landwirtschaftlichen Fläche die 42 wichtigsten Waldtypen dieses Halbkontinents nachgebildet, so dass auf dem Gelände eine „vereinfachte Vegetationskarte Noramerikas in natura“ entstand. Und so  finden sich auf dem Gelände z.B. die Rocky Mountains, die Apalachen oder die Great Plains wieder.

Alle gepflanzten Gehölze wurden aus Samen gezogen und dann ausgepflanzt.

„Nach nunmehr zehn Jahren sind die ersten Bäume sechs bis acht Meter hoch und im Herbst kann man dann bereits einen ersten Eindruck vom zukünftigen Indian Summer in Tharandt bekommen“ warb Dr. Pietzarka  für einen Besuch des Forstbotanischen Gartens.

Im Vergleich zu Europa mit „lediglich“ca. 250 Gehölzarten strotzt Nordamerika geradezu mit einer Vielfalt von etwa 1.000 Gehölzarten. „Da die Klimata in Europa und Nordamerika ähnlich sind besteht in der Flora Nordamerikas ein riesiges Potenzial für die Pflanzenverwendung in Europa“ so Dr. Pietzarka. “Insbesondere für die zukünftige Verwendung von Baumarten in den Städten Europas spielen die potentiellen Herkunftsgebiete in Nordamerika eine große Rolle.“

In den kommenden Jahren wird es im Rahmen von studentischen Abschlussarbeiten viele Untersuchungen zum Entwicklungsverhalten der einzelnen Baumarten geben. Interessant könnten diese Ergebnisse vor allem für die zukünftige Baumartenwahl in deutschen Großstädten – wie z.B. eben der Stadt Frankfurt – sein.

Bahmann

Zum Abschluss des Tages führte Martin Bahmann, Hochschule Geisenheim, vor Ort durch die wechselvolle Geschichte des mit einigen botanischen Raritäten aufwartenden Parks der Villa Monrepos.

Forschung

Nach vielen Jahren mit wechselnden Austragungsorten sollen auf Wunsch der Teilnehmer aufgrund des angenehmen Tagungsumfeldes in Zukunft die Arbeitskreise immer in Geisenheim stattfinden.

Sylvio Jäckel

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort