12. Arbeitskreis Kommunale Baumpflege Rhein-Main

Bericht von Sylvio Jäckel

Teilnehmer 

Am 8. Dezember 2011 fand in der Hessentagsstadt Oberursel der 12. Arbeitskreis Kommunale Baumpflege Rhein Main statt. Der AK Kommunale Baumpflege Rhein Main ist eine Kommunikationsplattform für kommunale Bedienstete und Behördenvertretern im Rhein-Main-Gebiet, die sich in ihrer Stadt bzw. ihrer Behörde mit dem Thema Baummanagement befassen.  

Mit rund 80 Teilnehmern aus ca. 40 Städten und Behörden war das Treffen wieder ausgebucht.

Thomas Bücher, Fachbereichsleiter Grün des Eigenbetriebes Bau und Service der Stadt Oberursel, begrüßte die Teilnehmer des Arbeitskreises in Oberursel.
 Thomas Bücher

Oberursel ist mit ca. 44.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt im Hochtaunuskreis sowie die dreizehntgrößte Stadt in Hessen, liegt nordwestlich von Frankfurt am Main und war im Sommer 2011 Ausrichterin des Hessentags.Bücher erläuterte die Struktur des Eigenbetriebes BSO der Stadt Oberursel und gab einen Überblick über das Baummanagement in der Stadt. Im Baumkataster der Stadt, das im Jahr 2009 erstellt wurde, befinden sich ca. 10.000 Bäume. Die Altersstruktur des Baumbestandes weist mit nur 600 Jungbäumen einen relativ geringen Anteil an Jungbäumen aus. Einfachere Baumpflegearbeiten werden in Eigenregie, schwierigere Baumpflegearbeiten durch Fremdvergabe erledigt.
Bücher regte in seinem Vortrag an, den biologischen und monetären Wert von Bäumen stärker in das Bewusstsein der Bürger zu transportieren und verursachte Schäden an Bäumen konsequent durch Schadensermittlungen zu ahnden.

Dr. Markus Dietz, Inhaber des Instituts für Tierökologie und Naturbildung, referierte anschließend über Höhlenbäume im urbanen Raum und die artenschutzrechtliche Bedeutung dieses Lebensraumes.
Dr. Markus Dietz

Höhlenbäume beherbergen eine Vielzahl von Tieren wie Fledermäuse, Vögel (v.a. Spechte, Kleiber, Abendsegler, Meisen und Stare), Bilche, Haselmäuse, aber auch verschiedenste Käfer und Insekten.

Nach einem Überblick zum rechtlich verankerten Schutz von in Baumhöhlen lebenden Tieren im Artenschutzgesetz sowie im Bundesnaturschutzgesetz berichtete er von Ergebnissen einer Kartierung von Höhlenbäumen in der Stadt Frankfurt. Die kartierten Höhlenbäume werden besonders gekennzeichnet und die Mitarbeiter entsprechend geschult. Die Öffentlichkeit wird durch Vorträge und Führungen sensibilisiert.

Zur Zeit wird an der Erstellung eines FLL-Praxisleitfadens für Höhlenbäume gearbeitet. Darin sollen Infos zum Lebensraum Baumhöhle, zu Erkennungsmerkmalen, zur aktuellen rechtlichen Situation und zur Vorgehensweise der Sicherung artenschutzrechtlicher Belange enthalten sein. Der Leitfaden soll im Sommer 2012 erscheinen.

„Bauen im Bereich von Bäumen“ war im Anschluss daran das Thema von Matthias Zorn, öbv Baumsachverständiger aus Usingen/Taunus: „Zunächst muss geklärt werden, ob ein Erhalt eines Baumes überhaupt Sinn macht. Wenn dem so ist, muss ein konsequenter Schutz erfolgen. Nur dann hat ein Baum in einer Baustelle reelle Chancen zu Überleben.“

Zorn erläuterte die einschlägigen Normen zum Schutz von Bäumen  RAS LG 4 sowie die DIN 18920 und formulierte Anforderungen an eine Baustelleneinrichtung. Hierbei betonte er die Notwendigkeit von festen Schutzzäunen, „die im Gegensatz zu mobilen Schutzzäunen auch dort stehen bleiben, wo sie stehen sollen und nicht täglich woanders.“

Zur Standardisierung in der Vorgehensweise empfahl er die Verwendung einer Checkliste, damit in der Abwicklung nichts vergessen wird und dem Zufall überlassen bleibt. Ein Beispiel einer solchen Checkliste stellte er dabei vor.

Danach berichtete Landschaftsarchitekt Sylvio Jäckel, Stadt Dreieich, über positive und negative Erfahrungen bei der als Bürgerprojekt angelegten Realisierung von zwei Eichenalleen im Dreieicher Stadtteil Götzenhain (Bericht in Baumzeitung 03/2010).

Sylvio Jäckel

Sein Fazit: „Je besser die Werbung für ein Projekt, desto wahrscheinlicher ist auch der Erfolg.“ Und: „Wenn sich der Erfolg  einstellt, darf und sollte man auch darüber berichten, nicht zuletzt um anderen Mut zu machen ein Bürgerprojekt zu unterstützen oder gar zu initiieren – auch wenn es viel Arbeit macht!“

Nach der Mittagspause referierte Joachim Schnabel, öbv Sachverständiger für Pflanzenschutz aus Wöllstadt,
Joachim Schnabel
über den Asiatischen Laubholzbockkäfer und den Zitrusbockkäfer. Er beleuchtete die Lebensweisen und –zyklen der Käfer sowie die aktuelle Befallslage und Bekämpfungsmöglichkeiten. Schnabel: „Zur Zeit sind in Hessen keine Befallsgebiete bekannt. Dennoch erwartet das Julius-Kühn-Institut, Braunschweig, in den nächsten Jahren eine Etablierung der Käfer in Deutschland.“

Für die Befallssituation von weiteren pflanzenschädigenden Krankheiten und Käfern konnte er im Jahr 2011 im Rhein-Main-Gebiet kein Rückgang erkennen: „Trotz eines regenreichen Sommers war die Befallsrate relativ hoch.“ so Schnabel.

B.Sc. Markus Neu  von der Firma Gebrüder Krämer, Frankfurt,
Markus Neu

berichtete anschließend über die Auswirkungen von Kroneneinkürzungen auf Massaria. Zunächst erläuterte Neu ausführlich die Auswirkungen eines Massaria-Befalls auf Platanen und deren Risiko. Danach widmete er sich der Frage, ob Kroneneinkürzungen Kosten in der Pflege von mit dem Massaria-Erreger befallenen Platanen einsparen können und beantwortete diese positiv anhand eines Praxisbeispiels aus Frankfurt. Die Ergebnisse und Rückschlüsse wurden im Forum diskutiert.

Zum Ende der Veranstaltung erläuterte Dipl.Ing. Peter König von der Firma VulkaTec und Mitglied des FLL-Regelwerkausschusses „Baumstandorte / Standortsanierung“ die Pflanzgrubenbauweisen 1 und 2 der der FLL- Empfehlungen für Baumpflanzungen und gab anschauliche Beispiele aus der Praxis.
Peter König

König machte deutlich wie wichtig sowohl eine ausreichend große Pflanzgrube für den Baum als auch das verwendete Pflanzsubstrat ist.

Der 12. Arbeitskreis Kommunale Baumpflege Rhein-Main war wieder einmal sehr informativ und regte zum fachlichen Austausch, auch in den Pausen, an. Termin und Standort für das nächste Arbeitskreis-Treffen stehen noch nicht fest. 

Sylvio Jäckel

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